Nov 17, 2025

AK Nr. 43 - Glanz & Gloria

Im Anlagekommentar Nr. 43 - Glanz & Gloria thematisieren wir die rasante Entwicklung von Gold. Gold spiegelt aus unserer Sicht das schwindende Vertrauen in das Finanzsystem. Zentralbanken und Privatanleger stützen die Nachfrage. Wir halten Gold und nutzen die aktuell hohen Kurse für selektives Rebalancing.

Die herausragende Rolle von Gold reicht zurück bis zu den Anfängen der Menschheit. In den frühen Kulturen wurde die Sonne angebetet, weil sie als Ursprung allen Lebens galt. Mit der Farbe der Sonne hatte Gold schon früh eine mystische Bedeutung. Der Glanz von Gold zeigt sich auch im Schmuckbereich über die Jahrhunderte bis heute. Für uns Investoren ist Gold vor allem als Wertspeicher und Schutz gegen Inflation und Krisen eine wertvolle Portfoliokomponente.
Mit dem fulminanten Anstieg des Goldpreises stellen wir uns nun die Frage: Was signalisiert uns Gold und was sollte getan werden?

Was will uns Gold mitteilen?

Entwicklung Goldpreis in USD/Unze, 1977 - 2025

Quelle: Prio Partners, Bloomberg

Werterhalt

Als Schutz gegen Inflation bzw. Kaufkraftverlust war Gold nicht immer hilfreich. Über einen Zeitraum von 25 Jahren zwischen 1980 und 2005 verlor Gold 25% seines Werts, obwohl der Kaufkraftverlust des US-Dollars in der gleichen Zeitperiode 55% betrug.[1] Und die Inflationsraten der letzten 3 Jahre können den Anstieg von Gold um 160% seit 2022 bis heute ebenfalls nicht erklären.

Vertrauen

Eine aus unserer Sicht deutlich stärkere Erklärung für den Preisanstieg von Gold findet sich in der Frage, ob das heutige Finanzsystem und die Verschuldung der Staaten tragfähig ist. Die klare Antwort lautet: nein.

Insbesondere die USA machen mit ihrem ausufernden Staatsdefizit grosse Sorgen. Und von Europa ist man schon nichts anderes mehr gewohnt. Einzig die Schweiz ist, wie wir dies gelegentlich hervorheben, ein Hoffnungsschimmer.

Tragfähige Schulden?

Staatsschulden in % des BIP, 2001 - 2030

Quelle: Prio Partners, IMF

Das Vertrauen in das Finanzsystem wird durch die Politik weiter untergraben. Aktuell besteht ein echtes Risiko, dass die US-Regierung Einfluss auf die Entscheidungen der US-Notenbank nimmt. Das könnte die ohnehin schon fragile Unabhängigkeit der Notenbank weiter schwächen und damit auch ihre Glaubwürdigkeit beeinträchtigen.

Im Kaufrausch

Natürlicherweise fragt man sich, wer den Goldpreis in die Höhe treibt. Die Antwort ist vielschichtig, aber es gibt interessante Käufergruppen: So sind Zentralbanken seit vielen Jahren Netto-Käufer von Gold.[2] Anscheinend braucht es für die Glaubwürdigkeit von Papiergeld eine Unterlegung mit Gold!

Zentralbanken im Kaufrausch

Netto-Goldkäufe der Zentralbanken in Tonnen, kumuliert (linke Skala) und jährlich (rechte Skala)

Quelle: Prio Partners, Bloomberg

Klar ist, dass sich Länder wie China und Russland, aber auch viele andere Länder, vom US-Dollar unabhängiger machen wollen. Zum ersten Mal seit 1996 halten die Zentralbanken wieder mehr Gold (24%) als amerikanische Staatsanleihen (23%) in ihren Reserven.

Als Anekdote erinnern sich unsere Schweizer Leserinnen und Leser vielleicht daran, dass die Schweizer Nationalbank in den Jahren 2003 - 2005 insgesamt 1'300 Tonnen Gold zu einem Durchschnittspreis von 520 CHF/Unze verkaufte. Schade, denn damit sind der Staatskasse im Vergleich zu heutigen Preisen rund CHF 145 Mrd. entgangen.

Gold > US-Staatsanleihen

Anteil von Gold und US-Treasuries an internationalen Zentralbankreserven, 1970 - 2025

Quelle: Prio Partners, Crescat Capital

Eine weitere Käuferschicht sind Privatanleger. Was auffällt, ist der starke Anstieg von Käufern aus den USA.

Privatanleger ziehen mit

Gold ETF Zu- und Abflüsse, regional, in Tonnen

Quelle: Prio Partners, World Gold Council

Dies hat wahrscheinlich mit den politischen Verhältnissen in den USA zu tun, aber auch mit der steigenden Staatsverschuldung. In den Jahren 1933 – 1972 war zudem der private Goldbesitz im Land der Freiheit verboten.[3] Entsprechend gross ist auch der Nachholbedarf.

Alles in allem scheint der spektakuläre Anstieg des Goldpreises ein Anzeichen schwindenden Vertrauens in die USA und andere hoch verschuldete Länder zu sein. Auch die vielfältigen Krisen in der Welt tragen dazu bei. So sehen erste Analysten den Goldpreis in den nächsten Jahren auf bis zu USD 10'000 pro Unze steigen.
Ungeachtet dessen stellen wir uns die Frage, was Gold neben seiner Rolle als Krisenwährung Produktives gestaltet. Welchen Nutzen hat Gold über den Aspekt des Wertspeichers hinaus?

Was tut der Goldwürfel?

Die Antwort: nicht viel. Der gesamte oberirdische Goldbestand der Welt beläuft sich auf rund 216'000 Tonnen. Dies entspricht einem Würfel mit 22 Metern Kantenlänge. Dieser Würfel hat zu heutigen Preisen einen Wert von CHF 16'400 Mrd. Für diese enorme Summe würden Sie sieben Mal die 200 grössten gelisteten Unternehmen der Schweiz kaufen können, zudem den gesamten privaten Hausbesitz in der Schweiz[4] erhalten und es blieben 800 Mrd. für Sonstiges übrig. Was würden Sie langfristig wählen? Wir stellen diese Frage auch, da Aktien langfristig die bessere Anlageform sind und Gold als Wertspeicher und temporäre Krisenwährung durch die Preisentwicklung enorm an Gewicht gewonnen hat.

Aktien glänzen stärker als Gold

Jährliche Renditen 1900 - 2024, in USD

Quelle: Prio Partners, UBS

Wann kommt der Moment, an dem wir mit dem stark gestiegenen Goldpreis produktives Eigenkapital (Aktien) kaufen? Wann also sollte man über ein Rebalancing nachdenken?

Wieviel Glanz ist in Ihrem Portfolio sinnvoll?

Gold ist wieder zum Gradmesser für Vertrauen geworden. Realzinsen, USD-Trend und anhaltende Zentralbankkäufe erklären den Anstieg besser als die jüngste Inflation. Für Anleger zählt jetzt die Übersetzung in Allokationsregeln: Welche Quote ist langfristig sinnvoll – und wann tauschen wir Gold in Aktien?
Um zu entscheiden, wieviel Gold in einem Portfolio strategisch gehalten werden sollte, haben wir uns auf die Goldstudie unseres Beirats Prof. Dr. Thorsten Hens gestützt. Er erachtet Goldquoten von 10% - 20% als vertretbar, wobei er längerfristig eine Goldquote von 10% bevorzugt und zu regelmässigem Rebalancing rät.[5]
Erhielt man im Januar 2023 16 Nestlé Aktien für eine Unze Gold, sind es heute 40 Aktien pro Unze Gold. Ein Plus von 60% also. Und waren es im Januar 2023 noch 20 Novartis Aktien, sind es heute 32 Novartis Aktien, die man für eine Unze Gold erhält, ein Plus von 30%.

Quelle: Prio Partners, Bloomberg

Wir sehen den Moment gekommen, über ein Rebalancing der Goldposition in Portfolien nachzudenken, auch weil pro Unze Gold ein höherer Anteil an produktivem Kapital gekauft werden kann.

Fazit

Gold war und ist ein wichtiger Portfoliobaustein, der in den letzten Jahren enorm an Wert gewonnen hat. Treiber sind ein drohender Vertrauensverlust in das Finanzsystem, Zentralbanken, die sich unabhängig vom US-Dollar machen wollen, und nicht zuletzt die vielfältigen bestehenden oder drohenden Krisen. Wir empfehlen weiterhin, Gold zu halten, sehen jedoch die langfristig sinnvolle Quote in einem Portfolio bei 10%. Eine temporär auch stärkere Abweichung (wie aktuell) kann Sinn machen und hängt von der individuellen Risikotoleranz ab. Bei aktuellen Preisen scheint ein gewisses Rebalancing nicht völlig unattraktiv.

Ausblick

Die Geschichte und damit auch die Kapitalmärkte waren schon immer voller Krisen. Eine Ernüchterung der Erwartungen könnte die KI-Blase zum Platzen bringen. Unabhängige Experten sprechen von der grössten Blase aller Zeiten (17-mal grösser als die dot-com Blase).[6] Auch Prof. Dr. Hens wird aktuell gefühlt täglich zu diesem Thema interviewt. Entsprechend widmen wir den nächsten Anlagekommentar diesem Thema, das uns (auch im Zusammenhang mit Gold als Krisenwährung) hochaktuell erscheint.

PC

Nettogoldkäufe globaler Zentralbanken, 01.01.2002 – 30.06.2025, in Tonnen

Kumuliert über die letzten 23 Jahre

Die geopolitischen Verschiebungen in der Welt
lassen sich auch an den physischen
Goldbeständen ablesen. Auffallend ist, dass
Länder wie Russland, China oder auch die Türkei
ihre Goldreserven massiv aufgestockt haben und
vor allem europäische Länder ihren Goldschatz zu
viel zu niedrigen Kursen hergegeben haben.

2002 bis 2013: Grösste Goldverkäufer sind westliche Staaten

2014 bis 2025: Grösste Goldkäufer finden sich in der östlichen Hemisphäre

Quelle: Prio Partners, World Gold Council

*Rendite 1972 - 2024 (nach Aufhebung des Goldstandards)

[1] Bureau of Labor Statistics

[2] Tavi Costa, Crescat Capital

[3] EBSCO, Executive Order 6102

[4] Handelszeitung, 28.04.2025

[5] Hens, T., & Amstein, A. (2025). Gold für den langfristigen Vermögensaufbau: Eine finanzwissenschaftliche Analyse.

[6] Julien Garran, The Macrostrategy Partnership

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